Startseite » Ratgeber » Alte Software lohnt sich nicht
Alte Software lohnt sich nicht

Alte Software lohnt sich nicht

Noch heute werden Softwarepakete angeboten, die ihr Design und ihre Struktur aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts beziehen! Stört es die potentiellen Kunden nicht? Oder merken sie es vielleicht nicht? Oder interessiert es sie am Ende gar nicht (wenn der Preis niedrig genug ist)?

Medizinische Informationssysteme, wie KIS und RIS, mutieren nicht selten zu Individualentwicklungen, je länger sie eingesetzt werden. Merkmale solcher Systeme sind lückenhafte oder gar komplett fehlende Dokumentationen, veraltete Betriebssysteme und fossile Entwicklungstools, eine Vielzahl individueller Schnittstellen für zum Teil nicht mehr am Markt verfügbare Hard- und Software. Das alles hat in der Vergangenheit den Kunden viel Geld gekostet und wird im Hinblick auf die notwendige Erweiterbarkeit (HL7, Dicom, IHE, Heilberufeausweis, eGK, Verschlüsselungen, etc.) zukünftig unbezahlbar oder es muss auf Erweiterungen verzichtet werden, was aber nicht möglich sein wird.

Warum geben sich Ärzte mit veralteter Software ab?

Radiologen werden irgendwann einsehen müssen, dass Sie nicht ewig mit veralteter Software arbeiten können. Dann werden Zugeständnisse und Entscheidungen notwendig.

Das grundlegende Problem bei der Ablösung von Software-Altsystemen ist der über Jahre gewachsene, individualisierte Leistungsumfang. Je individueller man in der Vergangenheit Kundenwünschen nachgekommen ist und damit auch den Kundenzufriedenheitsgrad merklich gesteigert hat, desto schwieriger stellt sich das Ansinnen eines kompletten, grundlegenden  Redesigns für jeden Software-Entwicklungsleiter dar. In der Regel erwartet der Kunde beim Kauf eines neuen Produkts alle möglichen technologischen Vorteile und Neuerungen (Webzugriff, Plattformunabhängigkeit, vereinfachte Wartung, gesteigerte Performance, etc.) und selbstverständlich erwartet er auch alle Features, die das Altsystem hatte (oft auch nicht zuletzt wegen der Bediengewohnheit). Eine Lösung, die alle Seiten sofort glücklich macht, gibt es kaum.

Mut zur Veränderung zahlt sich aus

Für die Software-Neuentwicklung bieten sogenannte „service-orientierte Architekturen“ (SOA) brauchbare Lösungsansätze. Bei diesen Lösungen werden Funktionseinheiten aus den alten monolithischen Software-Strukturen herausgelöst und als einzelne Services abgekapselt. Gemeinsam benötigte Schnittstellen werden in der sogenannten Middleware, auf welche die unterschiedlichen Services zugreifen können, zur Verfügung gestellt. Dennoch erfordert die Ablösung von Altsystemen Abstriche auf beiden Seiten. Der Anbieter neuer Software-Lösungen wird nicht herum kommen, für einzelne Kunden elementare Schnittstellen und Funktionen auch in der neuen Software zu realisieren. Auf der anderen Seite muss der Kunde auch offen für gewisse „Workarounds“ sein und auf das ein oder andere gewohnte Feature seines Altsystems verzichten und gegebenenfalls hier und da seine eingefahrenen Arbeitsweisen überdenken.

Oftmals ist für eine radiologische Abteilung oder Praxis eine seriöse Bestandsaufnahme sehr hilfreich. Was wird in Zukunft benötigt und was wird vielleicht nicht mehr gebraucht? Damit ergibt sich auch die Gelegenheit, sich von gewohnten, jedoch nicht mehr wirklich benötigten Features, zu trennen. Letzteres erfordert Entscheidungen und Entscheidungsträger.

(Erstveröffentlichung: Herbst 2010)

© iStockphoto.com / ttueni

Über Rainer Kasan

Rainer Kasan
Rainer Kasan ist Eigentümer und Geschäftsführer von Digithurst sowie Gesellschafter von Telepaxx. Der Wirtschaftswissenschaftler, Computer Engineer und QM-Auditor verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Medizin-IT. In seiner Freizeit betreibt der zweifache Familienvater gerne Ausdauersportarten wie Marathon, Rennradfahren und Mountainbiken.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*